musica aperta_03

 

24. Saison 2022 - 2023 
Alle Konzerte: Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, 2. Stock, Winterthur
Reservation 076 518 59 29 Eintritt Fr. 30.- / Studierende Fr. 20.-

www.musica-aperta.ch

 

Donnerstag 29. September 2022, 20 Uhr

Komposition - Improvisation

aperta drei Organisatoren 29.9.2022_800

Egidius Streiff, Violine; Julia Pfenninger, Violoncello; Max E. Keller, Klavier

Susanne Stelzenbach (*1947)

secret movie für Violine und Violoncello (2019)

Max E. Keller (*1947)

Interaktion: Komponiert - Improvisiert  für Violine, Cello und Klavier (UA)

Das künstlerische Leitungsteam von musica aperta erstmals gemeinsam auf der Bühne.
Heutzutage bestimmen immer stärker Kulturmanager das Konzert-Geschehen - wir sind als Veranstaltende und zugleich KünstlerInnen die Alternative. Das Werk der Berlinerin Susanne Stelzenbach weist auf die internationale Ausrichtung der musica aperta hin.
"Komponieren heißt Entscheidungen treffen. Nach jedem Ton wählt man aus einer Vielzahl von Möglichkeiten den nächsten Ton, was so gesehen auch Verzicht bedeutet..."

 

streiffQuartett:

Kazumi Suzuki Krapf_330-2

Mariana 330-2

singer_01©Anita_Schlaefli_a330-2

Egidius Streiff - Violine, Kazumi Suzuki Krapf - Violine, Mariana Doughty - Viola, Sébastien Singer - Violoncello

 

Harry Crowl (*1958) (BR)

string quartet no 4 (for Egidius Streiff) (UA)

Heidi Baader-Nobs (*1940) (CH)

Duo für Violine und Viola  (für Egidius & Mariana) (UA)

Markus Hofer (*1949)

Streichquartet Nr.3 "...die Farbigkeit der Einöde" 
nach dem Bild "in der Einöde" 1914 von Paul Klee - für Lea

Philippe Racine (*1958)

Adagio für Streichquintett (2018-19)

Reine Musik wird zur Seltenheit. Das französische Wort Mélomanes trifft es am ehesten: Man schliesst die Augen schliesst und hört nur noch Töne. Egidius Streiff setzt sich seit Jahren für Töne ein, die nicht gesehen werden müssen.

Heidi Baader-Nobs orientiert sich an Flussgeschwindigkeiten, Philippe Racine an dramatischer Melodik und Harry Crowl an Klangflächen und nebelhaften Zuständen. Umgekehrt transformiert Markus Hofer das abstrakte Bild "Einöde" von Klee in reine Musik. Klee schuf das Bild auf seiner Tunisreise: Er schichtet "Quadrate, Drei- und Rechtecke über- und nebeneinander und lässt die einzelnen Farben in Beziehung zueinander treten. Diese Farbbeziehungen haben mich zu meinem Stück inspiriert. "

weiteres Konzert: Dezember 2023, l'art pour l'Aar, Le Cap (Französische Kirche) Bern

   dieses Programm als  *.doc   

 

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Mittwoch, 26. Oktober 2022, 20 Uhr

«Taumeln auf der Endmoräne» - Eine musikalische/literarische Performance
Fabio Oehrli, Saxofon; Marko Hristoskov, Kontrabass; Daniel Scheidegger, Perkussion
Kompositionen von: Ursula Gut, Daniel Andres, Stefan Werren (alles UA)
Texte und Performance: Jens Nielsen; Gesamtkonzeption: Ursula Gut, Jens Nielsen

aperta 26.Okt. 22_800

 

Ursula Gut

«Taumeln» auf der Endmoräne für Sopran-/Altsaxofon, Kontrabass, Perkussion

Stefan Werren

«Jee hanich Hunger» (Jingle) für Stimme, Saxofon, Perkussion

Stefan Werren

«Das kann nicht sein» für Altsaxofon, Kontrabass, Perkussion

Daniel Andres

«…den ganzen Tag ein oder nur aus» für Altsaxofon, Kontrabass, Perkussion

Stefan Werren

«Der Mittelweg» (Rap) für Stimme, Saxofon, Perkussion

Daniel Andres

«Drei kurze Intermezzi
    «Nur gute Fragen…» für Altsaxofon
    «Dann kam unhöflich der Tod, oder anders» für Kontrabass
    «Ihre kurze Lebensmitte zu bewältigen» für Kontrabass und Perkussion

Alle Kompositionen sind Uraufführungen. Gesamtkonzept: Jens Nielsen, Ursula Gut

Da war mal ein Gletscher, da waren Arten, unzählige. Der Mensch ist auch eine davon.

(...) "wenn wir so weitermachen mit dem Fortschritt, kommt es noch dazu, dass die Zukunft nach hinten losgeht" (...)

Jens Nielsen setzt die Essenz seines Textes an den Anfang. Diese Essenz bricht aber alsbald auf in kaleidoskopisch sich unaufhaltsam verändernde Bilder: Absurdes zeigt die Wirklichkeit, der hinterste Winkel wird ausgeleuchtet, und es kommen dunkle Seiten zum Vorschein, Fragen hinterfragen die Fragen - eine Antwort könnte sein: der Mensch ist im Begriff, sich selbst abzuschaffen.

Die Musik, aus diesen Texten herausgewachsen und geschrieben von Daniel Andres, Ursula Gut und Stefan Werren, verdichtet und reflektiert das Geschehen, und sowohl klangliche als auch geräuschhafte Fragmente reiben sich wie Schleifpapier an den Worten, oder wirken wie ein Brennglas auf das Gesagte; kurze Sprechchöre sind die grellen Graffiti an der Wand.

(...) da, schon wieder etwas ausgestorben, ah nein doch nicht, das war gestern, aber heute noch einmal, in Zeitlupe (...)

Überleben auf der Endmoräne - wie lange noch? In dieser Performance bleibt einem die Süsse des Lebens mehr als einmal im Halse stecken.

Jens Nielsen begann während seiner Schauspielausbildung in Zürich zu schreiben. Seine Bühnenprogramme zeigt er auf Kleinkunst- oder Lesebühnen. Er schreibt regelmässig für den Radiosender SRF2 Kultur und die freie Theaterszene in der Schweiz. Soweit gedruckt, erscheinen seine Texte im Verlag Der gesunde Menschenversand in Luzern. Dort veröffentlichte er den Kurzgeschichten-Band Flusspferd im Frauenbad. Das Buch wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2017 ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein surrealistischer Schelmenroman Ich und mein Plural. Bekenntnisse.  www.jens-nielsen.ch

Daniel Andres wurde 1937 in Biel geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit besucht er das Lehrerseminar Bern-Hofwil. Nach Abschluss des Lehrerseminars studiert er am Konservatorium Bern die Hauptfächer, Orgel (Otto Schaerer, Organist an der Französischen Kirche Bern), Theorie und Komposition (Sandor Veress). 1966-1972 arbeitet et hauptberuflich als Journalist und gibt mehrere Bücher heraus, u. a. über die Baugeschichte von Biel sowie einen autobiografischen Roman „Mösli“.Er arbeitete zeitweise als Kapellmeister (1972-1977) und Chorleiter (1983-1988) am Theater Biel-Solothurn, leitete Kirchenchöre und amtete bis 2021 als Organist an der Zwinglikirche Biel-Bözingen. Sein Werkverzeichnis umfasst heute rund achtzig Werke für die verschiedensten Besetzungen. Er erhielt verschiedene Werkbeiträge von Stadt Biel und Kanton Bern, zuletzt 2017 für ein Orchesterwerk zum 80. Geburtstag.

Ursula Gut absolvierte nach der Seminarzeit eine Orgelausbildung am Konservatorium Bern. Langjährige Tätigkeit als Organistin. Während dieser Zeit Kompositionsunterricht bei Christian Henking und Studium bei Dimitri Terzakis an der Hochschule für Musik Bern. Werke: Kammermusik, Solostücke; musikalische Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Kunstrichtungen bilden den Schwerpunkt ihres kompositorischen Schaffens. Arbeitet auch als Lyrikerin.

Stefan Werren wurde in Bern geboren. Klavierstudium am Konservatorium Bern bei Otto Seger. Autodidaktische kompositorische Studien. Besuch des Lehrerseminars für Waldorf-Pädagogik in Stuttgart. Kompositorische Arbeit mit Prof. Peter-Michael Riehm. Seit 1985durchgehende Tätigkeit als Schulmusiker. Seit 1989 an der Rudolf-Steiner-Schule Bern/Ittigen. Neben dem Schuldienst regelmässige kompositorische Arbeit im Bereich Kammermusik, Klavier- und Vokalmusik.

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Mittwoch 16. November 2022, 20 Uhr

Das Konzert musste in der vergangenen Saison wegen Corona verschoben werden,
 

Mysterious Melody
Ein Klavierabend über akustische und andere Täuschungen
Simone Keller, Klavier
Lara Stanić und Philip Bartels, Elektronik

Simone Keller_2019_fotografiert von Lisa Jenny B_800

Lara Stanić (1973)

Fantasia für Klavier und Elektronik (2020)

Ursina Maria Braun (1992)

Nur ein Stich op.19 (2012)

Julie Herndon (1986)

Mirrors für Klavier solo (2021)

György Ligeti (1923-2006)

Arc-en-ciel aus den Études pour piano für Klavier solo (1985)

Philip Bartels (1978)

world’s most famous r Klavier solo (2021)

Jasna Veličković (1974)

Good Bach für Klavier und Zuspiel (2001/2004)

Lara Stanić

open air bach für Lautsprecher, Propeller und Mikrofone (2005)

Ruth Crawford Seeger (1901-53)

Piano Study in Mixed Accents für Klavier solo (1930)

Jessie Marino (*1984)

Slender Threads für Klavier solo und Taschenlampe (2020)

Cristina Janett (1986)

Olga an der Wolga (2016/2022), Uraufführung der Klavierversion

Festtage für Simone Keller: Nach dem Schweizer Musikpreis 2022 erhielt sie nun auch den Thurgauer Kulturpreis 2022 !!! 

Unser Gehirn begeht ständig kleine Betrügereien, die uns beim Hören helfen. Es lässt uns Töne hören, die es gar nicht gibt oder verlegt sie an Orte, wo sie nicht sind und es hilft uns Worte zu verstehen, die gar nicht ausgesprochen wurden. Die Musikpsychologin Diana Deutsch hat ein Experiment entworfen, bei dem man dem Gehirn bei einem dieser Konstruktionsprozesse zuschauen kann. 1972 demonstrierte sie, wie unser Wissen über eine Melodie die Wahrnehmung derselben beeinflussen kann. Sie verwendete eine bekannte Melodie, deren einzelne Töne sie allerdings wahllos auf mehrere Oktaven verteilte. Wenn sich nun jemand diese Tonfolge anhörte und nicht wusste, um welche es sich handelte, war sie nicht erkennbar. Sobald aber diese Information bekannt war, war jedes Gehirn sofort in der Lage, die Melodie mitzuverfolgen.

Diese akustische Täuschung ging als „Mysterious Melody“ in die Geschichte ein und dient Philip Bartels als Grundlage für sein Stück. In György Ligetis Klavier-Etüden überlagern sich verschiedene Rhythmen kunstvoll und verschieben die Akzente so, dass neue Ebenen entstehen und quasi eine dritte Hör- Dimension entsteht. Julie Herndon hingegen spielt auf einer ganz anderen Ebene mit Täuschungen, indem sie in ihrem Stück alltägliche Finger-Übungen einer Pianistin und deren graduelle Veränderungen ins Zentrum stellt und den Atem der Spielerin zur unsichtbaren formalen Struktur erhebt. Bei Lara Stanić werden die Täuschungen schliesslich ganz konkret und greifbar: In „Fantasia“ lässt sie den Geist Mozarts akustisch erscheinen, der zunächst unwillig an die Flügeldecke poltert und schliesslich bereit ist, mit der Pianistin ein Duett zu singen. In „open air bach“ montiert Lara Stanić drei Lautsprecher direkt auf dem Körper der Interpretin, die damit versucht, durch Nähe und Distanz zu vier Mikrofonen, vier Propeller in Gang zu setzen und dadurch die richtige Tonhöhe zu finden, um eine Trio-Sonate von J.S. Bach zum Klingen zu bringen. Ein aberwitziger Balance-Akt, der in seiner szenischen Wirkung wie ein utopischer Flugversuch aussieht.
Barblina Meierhans spielt mit dem Klavierklang und seiner Verortung. Das Stück entstand aus einer installativen Arbeit, die einen Flügel als einen wuchtigen selbstspielenden Klang-Apparat inszenierte, der nun in eine (vorgetäuschte?) Interaktion mit der Interpretin tritt. Ursina Maria Braun täuscht in ihrem Stück die Erzählung eines sehr bekannten Märchens vor, das sich allmählich von der Programm-Musik in „absolute Musik“ verwandelt.
Bei Jasna Veličković erscheint Glenn Gould als fiktiver Vierhändig-Partner und in Cristina Janetts Walzer erklingt zum Schluss des Konzertes noch einmal eine „mysteriöse Melodie“, die ganz einfach und schlicht und dennoch komplex ist und unter anderem die Frage aufwirft, ob und wo die traditionelle Volksmusik ihren Platz in der zeitgenössischen Musik findet.

Die klassisch ausgebildete Pianistin Simone Keller (*1980) bewegt sich in verschiedenen Stilen und Genres, sucht das Experimentelle und pflegt die Tradition. Als Brückenbauerin setzt sie sich insbesondere für einen breiten gesellschaftlichen Zugang zur Musik ein. Ihre intensive Konzerttätigkeit findet an namhaften internationalen Institutionen genauso wie an den Rändern und in den Nischen statt, wo sie sich unentwegt auf Neues und Ungewohntes einlässt.

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