musica aperta_03

19. Saison 2017 / 2018 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch   www.villastraeeuli.ch

 

Samstag 23. Juni 2018, 20 Uhr
Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur 

Fabelhaft -Tausendundeins

2018-06-23_Streiff & Bärtschi_800

Egidius Streiff - Violine,  Werner Bärtschi - Klavier

Camille Saint-Saëns (1835-1921)

Sonate (1885) en ré mineur pour violon et piano op.75

Werner Bärtschi (1950)

Neues Werk (2017) Auftrag musica aperta (Uraufführung)

Galina Ustwolskaja (1919-2006)

Duett für Violine und Klavier (1964)

Camille Saint-Saëns

Werner Bärtschi, warum dieser unerwartete Akzent auf Saint-Saëns?

Saint-Saëns‘ Musik fasziniert mich! Die Glätte oder gar Oberflächlichkeit, die man ihm vorgeworfen hat, kann ich nicht zugeben. Mit seinen geometrisch klaren Linien und seiner durchsichtigen Setzweise steht er freilich sehr im Gegensatz zur deutschen Romantik. Aber gerade mit diesem schlanken, geistreichen Stil konnte er eine ganz ihm eigene, farbige und reiche Ausdruckswelt schaffen.

Er war doch offensichtlich ein Vielschreiber.

Er feixte, er komponiere so, wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringe. Und Liszt gestand, dass ein Mensch unmöglich noch musikalischer sein könne als Saint-Saëns. Musik war für ihn so durchsichtig klar wie einst für Mozart. Und es ging ihm um diese Klarheit. So versteht man, dass er in einer Zeit, wo in Frankreich alles Interesse der Oper und der Programmmusik galt, ganz ungewohnt Kammermusik, und zwar eine ganz absolute Kammermusik frei von allem Programmatischen zu schreiben begann. Seine Einfälle sind stets durch und durch „musikalisch“. Es sind die Noten, die sich gewissermassen selbst aussagen - sie sind auch für den Hörer durchsichtig klar bis ins Herz des musikalischen Zusammenhangs hinein. Das interessiert mich.

(Werner Bärtschi)

Werner Bärtschi

Herr Streiff, sie haben Werner Bärtschi gebeten, ein neues Stück zu schreiben?

Ich war interessiert an seiner kompromisslosen Suche nach Musik: Nicht als Versuch oder Experiment, sondern eine Musik, die wagt, experimentiert und ureigen neu ist, ohne dass dies aber je als Daseinszweck genügen könnte. Deshalb die musikalische Geschichte schlechthin: Jene Fabel die abbricht, wenn man am meisten hören möchte..
Werner war entwaffnend ehrlich: „Dieses Stück suche ich seit fast zwanzig Jahren“. Inspiration sind wohl die ebensosehr die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht als das grossartige Ton-Poème Shereradzade von Rimsky-Korsakov. Tausendundeins oder 1001? Es wird sich weisen.. 

(Egidius Streiff)

Galina Ustwolskaja: Duett für Violine und Klavier

Dieses umfangreiche, aus einem einzigen monumentalen Satz bestehende Werk entstand 1964, zwölf Jahre nach der «Sonate für Violine und Klavier», dem einzigen Werk Ustwolskajas für die gleiche Besetzung. Jenes Werk von lyrischer Grundhaltung war von einem dichten, polymelodischen Netz stets wiederkehrender Motive und Themen durchzogen gewesen, im späteren «Duett» hingegen ist alles ganz eindimensional komponiert. Es gibt hier keine Mehrschichtigkeit und auch keine Mehrdeutigkeit mehr. Ähnlich wie bei gewissen Werken Messiaens folgt Abschnitt auf Abschnitt in unverhüllter Aneinanderreihung. Vieles klingt hart und kantig, wenn nicht gar schrill. An anderen Stellen rattert es rau wie ein Motor. Alle Lieblichkeit, aller Lyrismus scheinen aus dieser Musik verbannt zu sein. Auf dem Höhepunkt ihrer Steigerungswellen entfesselt sie eine kaum noch zu überbietende Wildheit.

Diese Radikalität ist typisch für Galina Ustwolskaja, die sich wie eine Besessene jedem Schönklang, ja überhaupt jeder dem Publikum entgegenkommenden Geste verweigert. Um so mehr erstaunt die ebenso unmittelbare wie tiefe Wirkung ihrer Stücke auf den Hörer. Ihre Werke, die schon als „Schreie aus dem schwarzen Loch“ beschrieben worden sind, gleichen hemmungslosen Appellen gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen, unter denen sie selber zu leiden hatte.     (Werner Bärtschi)

Dieses Programm als  *.doc und  *.pdf

 

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