musica aperta_03

18. Saison 2016 / 2017 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch

 

Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur 
Freitag  3. März 2017 20 Uhr

canti di vita e d'amore

Kornelia Bruggmann, Stimme & 2 Congas, Kontrabass, Schellenbaum, Bassflöte, Gong

2017-03-03 Kornelia Bruggmann_800

 

(1979)

Bhiksha I & II (Hindu: Almosen) (2016) ) Uraufführung
 Der Kompositionsauftrag wurde realisiert im Rahmen der Nachwuchsförderung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Giacinto Scelsi (1905-1988)

canti del capricorno XXI (1962-72) für Stimme, Gong, Kontrabass, Schellenbaum, Bassflöte

Luciano Berio (1925-2003)

sequenza 3 (1966) per voce femminile

Luigi Nono (1924-1990)

djamila boupachà Sopransolo 2.Satz aus "canti di vita e d'amore"(1962)

Gerald Bennett (1942)

columba nitens (2010) pour soprano et bande magnétique

Giacinto Scelsi

pater noster (1970)

Rainer Boesch (1938-2014)
& Alain Savouret (1942)

dechiffrage à l'ouïe (1960-70) für Tonband und Sängerin

Blaise Ubaldini

Bhiksha III & IV

Giacinto Scelsi

canti del capricorno V

Martin Schlumpf (1947)

ritual für k. (2015)

Jacques Demierre (1954)

bleu (1986) pour voix seule

Joëlle Léandre (1951)

hello taxi (1983) für sprechende Bassistin, gespielt von streichender Sängerin

sequenza 3: echo: sie singt sie wie eine mozart-arie. leicht, leichtfüssig, präzise. geht sie ? kommt sie wieder? text des zahnarztfreundes von luciano berio: 9 frei zusammensetzbare satzteile: "gib  mir /  einige worte / für ein weib / zu singen / eine wahrheit / die uns erlaubt / ein haus zu bauen / von einer welt / ohne kummer / ehe es nacht wird"
pater noster: das gebet als " perpetuum nobile ". 
ritual für K: der jodel zieht in die weite, verbindet alte welten, ältestes brauchtum mit heute. ich rufe. ich klage. ich sehne mich. austausch.  bruchstücke.
bleu: ein lachblues in "a". ein blues. a blues. ein lachblues in "a"... erinnern sie sich an kaspar fischer's lachblues? eigentlich möchte die sängerin schon längstens die bühne verlassen haben…..was tut sie da ? ist sie zur richtigen zeit am richtigen ort? fragen.]
taxi:
what the hell is that ? und wie komm ich damit in  ein taxi ? wie komm ich weg hier?  
                                                              
[Kornelia Bruggmann]

Gerald Bennett: Columba Nitens wurde von einer Oster-Sequenz aus dem 12. Jahrhundert von Peter Abaelard, «Epithalamica», inspiriert. Der Text ist von Héloïse d'Argenteuil, der Frau von Abaelard. Jede Phrase beginnt mit «Vale…» (Adieu) und benutzt eine Variante der Melodie der «Epithalamica». Und so ist aus einem Hochzeitslied (dies die Bedeutung von «Epithalamica») ein Abschiedslied entstanden. Der Titel: «Columba Nitens» («schneeweisse Taube») bezeichnet die Braut im Hohen Lied.

Blaise Ubaldini: Bhiksha - Ist das eine Sprache? Ist das ein Gesang? Ist das ein Gedicht oder ein Gebet ? Die Struktur des viersätzigen Werkes stützt sich zum einen auf das Alphabet der Töne der Hindi-Sprache, überliefert durch die ersten Grammatiker Indiens, zum anderen auf ein Lied in bengalischer Sprache der grossen indischen Autors Rabindranath Tagore: Amar Poran Loye. Es geht um vier Zustände der Seele, vier kleine vokale Abenteuer, manchmal innerlich, manchmal äusserlich, immer an der Grenze des Gesangs und des Tanzes.

 

Kornelia Bruggmann kennt keine stilistischen und historischen Grenzen, von nordischen Balladen aus dem frühen Mittelalter bis zu neusten Kompositionen, von Jazz bis Oper, von Liebeslied zu politischer Protestmusik. Aber das hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, vielmehr gibt sie der Musik immer ihr persönliches Gepräge und vor allem eine ungeheure Intensität und Präsenz, der man sich nicht entziehen kann. Sie ist die einzige Sängerin, die in Scelsis "Canti" alle Instrumente selber spielt, wie in unserem Programm zu hören. Und diese 20 Gesänge sind für Kornelia Bruggmann eine Art Lebensbegleiter, in immer neuen Konstellationen interpretiert.
             http://www.korneliabruggmann.ch

 dieses Programm als  *.doc     und      *.pdf

 

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Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 
Samstag  23. März 2017, 19 / 20 Uhr

Taufe Doppel-CD "Wider-Wege" - Max E. Keller zum 70.

2017-03-23 CD-Taufe_800

UMS 'n JIP: Ulrike Mayer-Spohn (Blockflöten) und Javier Hagen (Stimme)
http://umsnjip.ch/70jahremaxekeller.htm

19 Uhr Tonbandstücke

Sicher sein... (1976) für Sprecher und Tonband
Grundgesetze III (1977) für 2 Sprecher und Tonband
Sie (1978) für Tonband

 

20 Uhr Live-Konzert

Der verspätete Wanderer (2017) für Sänger und Blockflöten, Uraufführung
Mobile (2012/3) für variable Besetzung
Ruh'
(2012) für Countertenor und Blockflöten (Text: Max E. Keller)
1968 - und heute? (2011) für Sänger und Blockflöten (Text: Max E. Keller)
Veränderungen (1978) für Blockflöte und Synthesizer
Hymnen
(1979) für Tonband und Sprecher

 

Apéro

weitere Konzerte:
26.3.2017 - 19/20 Uhr, Zeughaus Kultur, Gliserallee 91, Brig-Glis
27.3.2017 - 19/20 Uhr, ONO, Kramgasse 6, Bern
30.3.2017 - 19/20 Uhr, Ackermannshof, St. Johanns-Vorstadt 19-21, Basel
03.4.2017 - 19/20 Uhr, Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, Zürich

Max E. Keller - eines der Urgesteine der Neuen Musik und des Free Jazz in der Schweiz - feiert 2017 seinen 70. Geburtstag. Seine Musik ist sinnlich, direkt und polarisiert seit ihren Anfängen durch ihre politischen Statements: der legendäre Skandal, den Keller und andere in den 70ern an den Darmstädter Ferienkursen auslösten, bleibt bis heute unvergessen. UMS 'n JIP spielen zu seinem Jubiläum einerseits die Werke, welche Keller für das Duo geschrieben hat, andererseits holen sie mehrere seiner prägenden politischen Werke aus den 70ern hervor, welche bis heute nichts an Frische und Aktualität verloren haben. Das Jubiläumsprogramm besteht aus mehreren Teilen: Einem Vorkonzert mit Tonbandstücken um 19 Uhr, das live gespielte Hauptkonzert um 20 Uhr, eine Ausstellung mit grafischen Partituren und die Taufe der neu erschienenen Doppel-CD:

max.e.keller: wider-wege; streiffzug SC 1604     http://www.streiffzug.com/de/keller       http://www.max-e-keller.ch

Der verspätete Wanderer: Der Anfangsvers, der fröhlich beschwingt klingt, wird am Ende des Sonetts wiederholt, diesmal aber sorgenvoll, ja gar "erschrocken": "Wo werde ich wohl sein im künft'gen Lenze?"
Mobile erinnert an meine Anfänge, als ich allmählich vom Improvisieren zum Komponieren kam: jedes Instrument spielt in freier Reihenfolge die ihm zusagenden Elemente aus einem Repertoire von 25 Elementen.
Ruh' beruht, wie viele meiner Kompositionen, auf einem einfachen, leicht nachvollziehbaren Modell: nach einem Ausbruch in unruhigere Gefilde finden Stimme und Instrument immer wieder Ruhe auf einem leisen Unisono. Fast wie im richtigen Leben.
1968 - und heute? Das damalige Ideal eines im umfassenden Sinne freien, selbstbestimmten und doch solidarischen Lebens ist einer neuen Angepasstheit und Behäbigkeit, einer bürokratisch geregelten Gesellschaft gewichen. Die Klangwelt reflektiert die Sponta-neität, Phantasie und Unbekümmertheit der 68er-Jahre, ohne in oberflächliche Verdopplung des Textes zu verfallen, der u.a. Vietnamkrieg und Schah-Besuch Berlin anspricht.
Veränderungen ist ein frühes live-elektronisches Werk, mit einem der ersten Synthesizer, die man sich leisten konnte (statt ein Kleinauto zu kaufen). In meinen Notizen lese ich - ganz im Geiste der damaligen Zeit: "Instrument ist Mittel, die Natur zu beherrschen. Doch die Naturbeherrschung wird im Kapitalismus durch die Produktionsverhältnisse zur Beherrschung des Menschen durch die Verhältnisse."
Hymnen konfrontiert den authentischen Bericht eines Chilenen über seine Erlebnisse bei den Folterungen durch die chilenischen Faschisten mit eine Collage von Nationalhymnen. Als Basismaterial wurden Hymnen derjenigen Länder ausgewählt, die den Putsch vom 11. September 1973 der Militärs unter Führung Pinochets direkt gefördert haben, oder doch zumindest indirekt davon profitierten.

UMS 'n JIP (Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen) sind ein Schweizer Ensemble für Neue Musik. Sie arbeiten als multi- und interdisziplinäres Neue-Musik-Labor innerhalb eines globalen Netzwerkes von Komponisten, Ensembles, Forschern, Programmierern und Festivals und wurden >20 Mal international für ihre Innovationskraft, Uniqueness, Kontinuität und Exzellenz ausgezeichnet. Sie gehören mit >200 in Auftrag gegebenen Werken, >800 Konzerten und mit Aktivitäten in >40 Ländern zu den erfahrensten und aktivsten Ensembles für Neue Musik der Gegenwart. 2017 feiern sie ihr 10jähriges Bestehen und gastieren unter anderem in Tokyo, Palma de Mallorca, am Festival d'Avignon sowie an den Opernhäusern von Barcelona (Gran Teatre del Liceu) und Buenos Aires (Teatro Colon).

Bestellung Doppel-CD, Fr.23.- bei max.e.keller@gmx.ch; am Konzert Fr. 15.-

dieses Programm als  *.doc     und      *.pdf

 

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