musica aperta_03

19. Saison 2017 / 2018 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch   www.villastraeeuli.ch

 

Dienstag 6.3.2018, 18.30 Uhr
Kunstmuseum Winterthur, Museumstrasse 52, Winterthur

L'art pour l'Aar
das Paul Klee Projekt

Ensemble Sortisatio (Leipzig):
Axel Andrae - Fagott, Thomas Blumenthal - Gitarre, Walter Klingner - Oboe und Englischhorn, Matthias Sannemüller - Viola

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Pierre-André Bovey (1942), Bern

Anfang eines Gedichts (2012)

Markus Hofer (1949), Bern

engel noch weiblich (2012)

Thomas Ch. Heyde (1973), Leipzig

Trauernd (2010/11)

Jean Luc Darbellay (1946), Bern

Über Wasser (2012)

Max E. Keller (1947), Winterthur

Der Rutengänger (2012)  Bild im Kunstmuseum Wintherthur

Hans Eugen Frischknecht (1939), Muri

Klee-Impressionen (2008)

Satoshi Tanaka (1956), Tokio

Zeichensammlung Südlich (2014)

Stefan König (1963), Leipzig

Wasserpyramiden (2015)

Paul Klee war lange unsicher, ob er Musiker oder Maler werden wolle. Er arbeitete zunächst als Geiger in Bern, erst mit 27 entschied er sich definitiv für Malerei. Bildtitel wie Fuge in rot oder polyphon gefasstes weiss zeigen, wie Klee sich weiterhin mit Musik beschäftigte. Andererseits sind zahlreiche Kompositionen geschrieben worden, die sich auf Klees Bilder beziehen. Der Amerikaner Stephen W. Ellis hat weltweit insgesamt über 550 solcher Werke gesammelt. Das Ensemble Sortisatio hat in zwanzig Jahren um die 30 Werke uraufgeführt, die von Paul Klees Bilder inspiriert sind. Nun wurde eine CD mit den Werken der Komponisten Hui, Bovey, Hofer, Darbellay, Frischknecht, Keller, Tanaka, König und Heyde im Probesaal des MDR-Orchesters im Gewandhaus Leipzig aufgenommen, die als CD-Vernissage in den Konzerten in Bern und Winterthur vorgestellt wird.

Pierre-André Bovey erinnern die verstreuten Buchstaben an punktuelle Musik: "Klee zitiert auch die erste Zeile eines Liedes, das Bach ins Klavierbüchlein seiner Frau Anna-Magdalena aufgenommen hat. In meinem Stück wird diese kurze musikalische Phrase gegen Schluss von der Bratsche gespielt. Markus Hofer geht davon aus, dass engel noch weiblich in einer - wenn auch augenzwinkernden - Beziehung zu Eurydike steht und bezieht sich auf ein eigenes Werk, in dem er Gedichte von Ingeborg Bachmann und Lea Gottheil verwendet hat. Thomas Ch. Heydes Vorlage Trauernd zeigt vor flirrendem Hintergrund einen trauernden Menschen, dargestellt mit einer einzigen, geschwungenen Linie. Dies spiegelt eine lange Krise des Malers, der 1933 in die Schweiz zurückgekehrt war, da er nach Hitlers Machtergreifung als "entartet" ausgegrenzt wurde. Heyde bemüht sich um eine eigene Leseart von Trauernd: "So erinnert lediglich eine immer wiederkehrende, aufsteigende Intervallfolge an die geschwungene Linie der Vorlage Klees und aus dem flirrenden Hintergrund werden Klangflächen." Auch Jean-Luc Darbellays Vorlage über Wasser ist eine Reaktion auf Klees Entlassung in Düsseldorf (1933), nach der er sich nur knapp „über Wasser“ halten konnte. "Entsprechend der düsteren Stimmung im Bild beginnt das Stück mit einer 'sprachlosen Konfusion'. Tonlos erzeugen Klappen- und Klopfgeräusche, eine unheimliche Klangwelt, die von einer atemlosen Suche nach einem Ausweg abgelöst wird. Verschiedene Versuche schlagen fehl, bis die Richtung durch einen einzigen, wiederholt von allen Instrumenten angespielten Ton vorgegeben wird." Max E. Keller setzt einzelne Formen des Bildes (ein stoppelhaarigen Rutengänger mit merkwürdig grossen, blauen Augen geht durch eine bizzar-kindliche Landschaft) direkt in musikalische Figuren und Prozesse um, andererseits spielt das Schreiten des Rutengängers, das im Bild nicht zu sehen ist, eine wichtige Rolle.
H.E. Frischknecht hat sich generell von kleinen, oft nur aus wenigen Strichen bestehenden Zeichnungen zu sieben kurzen, ebenso knappen Stücken anregen lassen, die sich aber nicht direkt auf bestimmte Zeichnungen beziehen, sondern mit wenigen Elementen arbeiten, betitelt etwa "Akkorde gar kurz" oder "Linien, unterbrochen". Satoshi Tanaka bezieht sich im 1. Satz mit Staccatoklängen sehr direkt auf den Hintergrund des Bildes, mit dem Kanon einer einzigen Melodie auf den Vordergrund, wobei alle Instrumente gleichwertig behandelt werden. Stephan König setzt die vier Pyramiden des Klee-Bilder in vier Sätze um, die vom Charakter her durchaus traditionell gehalten sind, beginnend mit einer Melodie über Tremoli und Pizzicati, endend in einem furiosen Allegro.

weitere Konzerte:
Fr 2.3. in der Galerie Thomas in München
So 4.3.2018, 16 Uhr, L'art pour l'Aar im Zentrum Paul Klee Bern,
Monument im Fruchtland 3, Eintritt: Ausstellungsticket
ausserdem: Mo 5. 3. 2018, 18.30 Uhr, Kuppelsaal der Universität Bern, Hochschulstr. 4 "Klee und die Musik" - Gespräch mit Musikbeispielen, in Zusammenarbeit mit der Musikforschenden Gesellschaft Bern

neue CD "L'art pour l'Aar präsentiert das Paul Klee Projekt Bern-Leipzig" für 20.- bei max.e.keller@gmx.ch

Diese Veranstaltungen wurden ermöglicht durch eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Winterthur

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Dieses Programm als  *.doc  oder als  *.pdf

 

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Donnerstag 12.4.2018, 20 Uhr
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 
www.villastraeuli.ch

unabhängig  beharrlich  expressiv

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Evgeniya Spalinger - Flöte, Marisa Minder - Gitarre, Grigory Maximenko - Viola

Scott Lindroth (1958)

YTTE for flute, alto and guitar (2008)

Felix Ibarrondo (1943)

ITZAK für Flöte, Bratsche und Gitarre (1997)

Anastasia Vedyakova (1991)

Affection Saga für Flöte und Gitarre, Uraufführung des Kompositionsauftrages von musica aperta

Nico Richter (1915-1945)

Trio (1935)

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Serenade op.8, (1795-97) (Bearbeitung für Flöte , Viola und Gitarre von W. Mateigka (1773-1830)

Die drei jungen MusikerInnen präsentieren ein sehr eigenständiges Programm mit zeitgenössischen Komponisten aus unterschiedlichen Weltgegenden und Generationen, die bei uns aber weniger bekannt sind. Alle gingen ihre eigenen Wege, teils freiwillig, teils aus innerem oder äusserem Zwang, und alle ver-bindet die Fähigkeit zu expressiver Musik. Der Amerikaner Scott Lindroth, aufgewachsen mit Jazz, experimentierte zunächst mit Zahlenmustern und integrierte später vertrautere Mittel wie Harmonie und Tonalität in seine Schaffen, auch wenn dies nicht dem Zeitgeist entsprach. In YTTE (yield to total elation: Hingabe an Euphorie) kommt seine Sprache in der Klangmischung besonders schön zur Geltung. Der Begriff YTTE geht auf den Zeichner Archilles Rizzoli zurück, der mit Akribie viele fantastisch anmutende Zeichnungen anfertigte. Der Baske Felix Ibarrondo war Schüler von Max Deutsch, seinerseits Schüler Schönbergs. Seit 1969 lebt er in Paris. Sein Unabhängigkeitsstreben und sein scharfer Verstand fliessen in seine Musik ein. Der Gegensatz zwischen strenger Struktur und starker Expression zeitigt in Itzak ("Worte") eine grosse Ausdrucksvielfalt. Die junge Moskauerin Anastasia Vedyakova (1991), auch als Geigerin erfolgreich, hat im Auftrag von musica aperta Affection Saga komponiert, deren 10 Sätze auf zehn Affekten beruht, z.B. Frage, Antwort, Zweifel. Die Idee ist eine Reise in die Welt des Unterbewussten, die weder einen Anfang noch ein Ende hat, und in der Ewigkeit und Augenblick nicht zu trennen sind. Nico Richter, jüdischer Abstammung, lebte in den Niederlanden. Trotz Heirat mit einer Nichtjüdin konnte er sich der Verfolgung durch die Nazis nicht entziehen und wurde schliesslich als Mitglied einer Widerstandsgruppe verhaftet. Er überlebte zwar Auschwitz und Dachau, war aber gesundheitlich so stark angeschlagen, dass er nach der Befreiung 1945 nur noch wenige Monate lebte. Sein komprimierter und expressiver Stil enthält keine überflüssigen Noten und erinnert in seiner freien Tonalität an Anton Webern und Alban Berg.

Im Unterschied zu den modernen Werken würde man die Serenade op. 8 von Ludwig van Beethoven aus heutiger Sicht als „kommerzielle“ Musik bezeichnen. Beethoven komponierte sie in Wien zu einer Zeit, als er im Begriff war, seine Karriere als Pianist und Komponist auszubauen. Im Stil orientiert sie sich zwar noch stark an Haydn und Mozart, lässt aber an vielen Stellen den späteren Beethoven bereits aufblitzen. Der grosse Einfallsreichtum und die überaus schönen Melodien haben Zeitgenossen animiert, das Werk für andere Besetzungen umzuschreiben.

Evgeniya Spalinger (1990, Moskau) begann mit 6 Jahren Flöte zu spielen, mit 9 Jahren als Hochbegabte ans Tschaikowski Konservatorium. 2007, Grand Prix beim „Mozart Wunderkind“ Wettbewerb in Wien. Internationale Auftritte bereits während des Studiums. Seit 2009 in Basel, Studium bei Felix Renggli.
Gigory Maximenko (1988, St. Petersburg) begann mit 9 Jahren Geige zu studieren. Abschluss 2012 mit höchsten Auszeichnungen. Z.Z. studiert er für den Master in Performance in Bern. Erfahrungen in Sinfonieorchestern Basel, Luzern und Bern. Seit 2008 im Gustav Mahler Jugendorchester. Seit 2015 Stimmführer Liechtensteinisches Sinfonieorchester.
Marisa Minder (1987, Windisch) mit 7 Jahren Gitarrenunterricht. Mit 17 Jahren Académie Tibor Varga Sion. 2008 Royal Conservatoire Den Haag, 2010 Master. 2016 Solistendiplom in Basel. Gewinnerin und Finalistin von verschiedenen Wettbewerben, so 2007 Anna-Amalia Wettbewerb für junge Gitarristen Weimar und 2011 Forum Gitarre Wien.

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