musica aperta_03

19. Saison 2017 / 2018 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch   www.villastraeeuli.ch

 

Montag  25. September 2017, 20 Uhr,
Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur

Ensemble Good Mori (Korea)
Eunsil Kwon - Leitung, Jihye Kim - Violine, Youngpil Choi - Klavier, Yunsuk Eom - Gayageum, Janggu,
Yoojeong Chung - Gayageum, Ahreum Lee - Haegeum, Narae Kang - Flöte

2017-09-25_Good Mori_800

Isang Yun (1917-1995)

Etudes I-V for flute(s) solo (1974)

Isang Yun (1917-1995)

Kontraste. Two Pieces for Violin solo (1987)

Helmut Zapf (1956)

DARI II - 'paseon' für Haegeum, Gayageum, Violine und Piano (2016)

DaeSeob Han (1977)

Schwarzer Atem für Gayageum, Haegeum, Janggu, Violine und Klavier (2016)

Woosung Cho (1979)

Sound Landscape for Flute Solo (2017)

Johannes K. Hildebrandt (1968 )

Donghwa für Violine, Gayageum und Haegeum (2017) URAUFFÜHRUNG

Eunsil Kwon (1967)

Balance for 2 Gayageum, Haegeum & Violin (2016)

Susanne Stelzenbach (1947)

Formen der Wiederholung für Violine, Gayageum und Klavier (2017)

weiteres Konzert: Sonntag 24. Sept. im Zeughaus in Brig (www.zeughauskultur.ch)

Hauptsächlich geht es in diesem Programm um die Verflechtung europäischer und koreanischer Musik, nicht nur im Instrumentarium, sondern auch im Kompositorischen. Der prominenteste Vertreter solcher kultureller Brücken ist sicher Isang Yun, zu dessen 100. Geburtstag zwei Werke erklingen. "Wenn in der Musik Europas erst die Ton-Folge Leben gewinnt, wobei der Einzelton relativ abstrakt sein kann, lebt bei uns schon der Ton für sich. Man kann unsere Töne mit Pinselstrichen vergleichen im Gegensatz zur Linie des Zeichenstiftes." Dies trifft auf die Etude Nr.1 besonders zu, die weitgehend aus langen, nur wenig modulierten und umspielten Tönen besteht, während Etude Nr. 5 die ausgehaltenen Töne stärker farblich-dynamisch gestaltet und auch die Umspielungen ausbaut. Kontraste verwendet zwar das deutsche Wort im Titel, aber gemeint sind vielmehr Yin und Yang, die universalen polaren Kräfte des Tao, welche das Werk in vielen Dimensionen durchdringen. Der ausgedehnte, reich variierte Pizzicato-Beginn ist zudem eine Imitation des Gayageum auf der europäischen Violine.

Helmut Zapf schreibt zu seinem Stück Dari ( Brücke): "eine Brücke zwischen unseren europäischen und den asiatischen Instrumenten wollte ich bauen (...) die doch die voneinander getrennten Ufer beibehält. Auf dieser kleinen Klangstrasse verbinden sich gebrochenen Linien (paseon) für kurze Momente zu zusammenwachsenden 'Melodien' ." 

DaeSeob Han liess sich vom Hyperrealismus von Ch. D. White anregen, der seine Skulptur Asphyxie (Atemdepression) wie Holz aussehen lässt, obwohl sie aus Keramik besteht. Sie wirkt auf den Komponisten derart schockierend, dass er schwarze Flüssigkeit aus dem Mund fließen sieht und "ich stellte mir den schwarzen Atem vor, der die Atmosphäre untergräbt."

Woosung Cho benennt im Titel Sound Landscape sein Hauptanliegen: Die mimetische Darstellung der Natur mit differenzierten Flötenklängen. 

Susanne Stelzenbach schreibt: "Die Wiederholung ist das Gesetz, das den gesamten Kosmos regiert. In der Natur und im Leben sind Wiederholungen eine Selbstverständlichkeit und einem bestimmten Rhythmus unterworfen. (...) Durch sich wandelnde Spieltechniken und durch eine Veränderung des klanglichen Umfeldes werden gleichbleibende Figuren anders beleuchtet, wobei der trockene und archaische Klang des Gayageums immer unberechenbar bleibt."

Mimesis von Eunsil Kwon trägt die Satzbezeichnungen Wind, Wasser, Feuer. "Ich schrieb mit der Absicht, die Klänge der Natur in meiner Musik nachzuahmen."
Also Mimesis im Geist der europäischen Tradition. Ihre Musik baut zwar auf koreanischem Empfinden auf, reflektiert aber zugleich die Entwicklung der europäische Musik - immer auf der Suche nach neuen Beziehungen.

In Donghwa von Johannes K. Hildebrand, einer Uraufführung, geht es um "eine Annäherung von europäischem Saiteninstrument und koreanischen Saiteninstrumenten, eine Annäherung der Klänge und Klangfarben, still, ruhig und mit nur wenigen Tönen."

Ensemble Good Mori: 'Good' bezieht sich auf eine traditionell schamanische Zeremonie der koreanischen Kultur. Neben diesem Element des Mysteriösen enthält das Wort auch die englische Konnotation eines guten Charakters. 'Mori' lässt sich sowohl mit 'Rhythmus' als auch mit 'Losstürmen' übersetzen. Das 2007 von Eunsil Kwon gegründete Ensemble hat sich zum Ziel gesetzt, koreanische Werke verschiedenster Strömungen einzustudieren und dadurch eine neue Tradition moderner Musik zu begründen. Es geht um die Verknüpfung koreanischer und europäischer Klangwelten, und so sind koreanische und deutsche Komponisten zu hören, welche sich damit auseinandersetzen.

weiteres Konzert: Sonntag 24. Sept. im Zeughaus in Brig (www.zeughauskultur.ch)

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Dienstag  3. Oktober 2017, 20 Uhr,
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur

Mittwoch  4. Oktober 2017, 20 Uhr,
Haus zur Musik, Schillerstr. 5, Basel (Nähe Hauptbahnhof), Apéro

Galactic Composers’ Project 2017 - vom Rand in die Mitte
Antonella Bini - Flöten, Oliver Potratz - Kontrabass, Art-Oliver Simon - Klavier

2017-10-03_Galactic Trio_800

Volker I. Schmidt (1971)

hic et nunc (2015) für Flöte, Kontrabass und Klavier

René Wohlhauser (1954)

Quamakútsch (2017) für Flöte, Kontrabass und Klavier - Uraufführung

Art-Oliver Simon (1966)

gekreuzte wege (2014) für Flöte und Klavier - Uraufführung

Michael Quell (1960)

staubaggregation (2017) für Flöte, Klavier und Kontrabass - Uraufführung

Max E. Keller (1947)

autonomia e dialogo (2015) für Flöte und Klavier

Art-Oliver Simon (1966)

Polaroid (vor dem Tsunami) (2013) für Flöte, Kontrabass, Klavier

Franz-Jochen Herfert (1955)

Paradigmal change 1 (2017) für Flöte, Kontrabass, Klavier - Uraufführung

hic et nunc von Volker Ignaz Schmidt beschreibt die verzweifelte Bemühung, den Moment (Nu), dem Strom der Zeit zu entreißen und festzuhalten. Das Nu ist laut Meister Eckhart die Aufhebung der Zeit - die Ewigkeit: „Denn das Nu, worin Gott den ersten Menschen machte und das Nu, worin der letzte Mensch vergehen soll und das Nu, worin ich spreche, die sind gleich in Gott, und es ist nichts als ein Nu." Das Ringen endet im Seikilos-Gesang (200 v. Chr.), welcher die Kürze unserer menschlichen Existenz beklagt.

René Wohlhauser läßt in Quamakútsch einem wilden, chaotischen Anfang ein verinnerlichtes Duo von Flöte und Kontrabaß mit einer subtilen Aushorchung von Mikrotönen folgen. Diese Ausgangsdialektik führt in ein Suchen nach Tiefe und Substanz und nach strukturellem Reichtum. Durch substanzielle kompositorische Arbeit, durch das Horchen in die Tiefe und das Ringen um Relevanz soll der Oberflächlichkeit gehaltvolle Musik entgegengesetzt werden. Das Sich-einlassen eröffnet die Möglichkeit, in die Tiefe des musikalischen Raums vorzudringen.

Zu gekreuzte wege schreibt Art-Oliver Simon: Mikrotonales auf der Flöte, sich reibend am stoischen Klavier. Auch sonst agieren beide Instrumente so, als ob sie sich wie Mann und Frau in ihrer emanzipativen Zerstörungssucht nur noch wenig Gemeinsames zu sagen haben.

Die Faszination des astrophysikalischen Phänomens der Staubaggregation bildet für Michael Quell den Ausgangspunkt der musikalischen Komposition. Kleinstpartikel unterschiedlichster Beschaffenheit beginnen sich zu verzahnen, bilden durch das Zusammenwirken der elementaren musikalischen Formbildungskräfte immer wieder neue „Materiekomplexe“ aus und lassen so ein sich in ständiger Bewegung / Veränderung befindendes, durchaus numinos anmutendes Netz als musikalisch-formales Sinngefüge entstehen.

autonomia e dialogo von Max E. Keller benennt die Grundidee des Stückes: zwei autonome Individualitäten treffen aufeinander und treten in Dialog, wodurch sie sich allerdings verändern. Sie reagieren aufeinander, nehmen Rücksicht, opponieren, verschmelzen, ignorieren einander, weichen aus, pausieren, stützen einander, regredieren. Konkret musikalisch: Beide Instrumente wiederholen eine eigenständige Sequenz, die zunächst über eine Minute lang ist, sich aber im Verlauf des Stückes in 12 Schritten auf etwa eine Viertelminute verkürzt.

Zu Polaroid (vor dem Tsunami) schreibt Art-Oliver Simon: "Schlimm! Schlimm! Wie? geht er nicht - zurück?" - Ja! Aber ihr versteht ihn schlecht, wenn ihr darüber klagt. Er geht zurück, wie jeder, der einen großen Sprung tun will.--(Friedrich Nietzsche, jenseits von Gut und Böse, 280. Vers)

Bei Paradigmal Change 1 von Franz Jochen Herfert geht es darum, wirklich neuartige Musik zu machen, die ziemlich anders ist als die konventionell gewordene „Neue Musik“, indem sich Kreativität in den von der „Neue Musik“ stillgelegten, jedoch wesentlichen musikalischen Eigenschaften, Melodik, Zusammenklang und Rhythmus entfaltet. Darüber hinaus soll ein den Menschen ganzheitlich betreffender Gehalt aufscheinen, der aber sprachlich unausgesprochen bleiben muss: denn der Gehalt von Musik ist nicht zu unbestimmt, um ihn in Worte zu fassen, sondern zu bestimmt!

Das Galactic Composers´ Project Tour 2017 des Art Ensemble Berlin - auf Tournee in Fulda, Stuttgart, Berlin, Basel – bringt diesmal in seiner animierenden Besetzung aktuelle Werke Schweizer und Deutschen Komponisten zur Uraufführung.  www.artensemble-berlin.de

weitere Konzerte in Berlin, Fulda, Stuttgart

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