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Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur  
Dienstag 14. Mai 2019, 20 Uhr 
Einführung um 19.20 Uhr: Thomas Kessler - Egidius Streiff

Egidius Streiff, Violine & Werner Bärtschi, Klavier

Bärtschi-Streiff 14-Mai-2019_800 

Egidius Streiff - Violine  Werner Bärtschi - Klavier 

Johann Sebastian Bach (1665 - 1750)

“Lamento” aus dem Trio für Clavier und Violine f-moll BWV 1018 (vor 1725) 

Younghi Pagh-Paan (1945)

Fanfarella (2018) für Violine solo

John Cage (1912 - 1992)

Nocturne for violin and piano (1947)

Werner Bärtschi (1950)

HAJC (2001) für Klavier solo

Thomas Kessler (1937)

violin control (1978) für Violine und Live-Elektronik

César Franck (1822 - 1890)

Sonate A-Dur (1886)
   Allegretto ben moderato - Allegro - Recitativo –  Fantasia: Ben moderato - Allegretto poco mosso

Werner Bärtschi und Egidius Streiff spannen den Bogen von Bach bis César Franck, deren Welten so fern voneinander nicht sind! Dazwischen präsentieren sie neue Werke in feinster Manier: Die kleine Fanfarella wurde von Younghi Pagh-Paan für Streiff geschrieben: Lauthals beginnt das Stücklein, aber zunehmend leise kündet es eine neue Ära an, die gegen Ende sogar mit einer veritablen «Melodie» hörbar wird. John Cage begründete das 1947 geschriebene «Nocturne» mit der Notwendigkeit, angesichts des allgemeinen Zustands der Welt ruhige Musik zu schreiben – dem bleibt leider auch heute nichts hinzuzufügen. HAJC von und mit Bärtschi ist ein häretisches Stück; eine Ketzerei in 16 Schritten, die vor der Vereinnahmung retten. Thomas Kesslers «violin control» ist ein Klassiker der live-elektronischen Musik aus dem Jahr 1978. Ursprünglich für Synthesizer und PA konzipiert, heute aber einfach realisierbar mit Computer, oder sogar mit Iphone und etwa einem Gitarrenverstärker.

Das gleiche Konzert findet am 13.Mai um 20.00h im Gare du Nord Basel statt.

Werner Bärtschi spielt Werke von der Spätrenaissance bis zur Gegenwart. Er hat bedeutende Uraufführungen (u.a. Cage, Klaus Huber, Riley, Schnebel) gespielt und engagiert sich auch für Aussenseiter wie C. Ph. E. Bach oder Charles Ives. Er fragt immer wieder nach der Eigenart jedes Werkes, und er schöpft seine kreativen und spannungsvollen Interpretationen nicht zuletzt aus seiner Arbeit als Komponist. Konzerte auf allen Kontinenten, Auftritte an Festivals wie Gstaad, Luzern, Zürich, La Roque d’Anthéron, Salz-burg; Radio-, Fernseh- und Kinoauftritte, zahlreiche CDs (ein "Grand Prix du disque“)     www.rezital.ch

Egidius Streiff hat sich seit seinem Studium weltweit als versatiler Violinist profiliert. Er hat unzählige zeitgenössische Werke zur Uraufführung gebracht, so Wang Xilings Violinkonzert mit dem China National Symphony Orchestra in Beijing, Lothar Voigtländers Emphasis in Dresden, oder auch im April 2014 das dritte Violinkonzert von Harry Crowl  - nach einer Tournee in 2012 als Solist in dessen zweitem Violinkonzert mit dem Orquestra de Parana.  Seine neuesten Arbeiten sind dokumentiert in einer CD mit Werken von Viktor Kalabis (streiffzug SC1702, 2019), einer Aufnahme der Sonate op.72 („AFFE SCHAF“) von Max Reger als Teil der preisgekrönten DVD „Maximum Reger“ (BBC „DVD of the year 2018), sowie der posthumen Uraufführung und Ersteinspielung von Isang Yuns Violinsonate (capriccio C5364, 2019).
www.streiffzug.com

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Mittwoch 27. März 2019, 20 Uhr
Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur

Uraufführungen - pur

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pre-art soloists:
Boris Previsić - Flöten, Matthias Arter - Oboen, Raphael Camenisch - Saxophone, Vladimir Blagojević - Akkordeon,
Gilles Grimaître - Klavier, Tobias Moster - Violoncello, Aleksander Gabrys - Kontrabass
www.pre-art.ch   Matthias Arter, Hardstrasse 2; 8604 Volketswil

Ugurcan Öztekin (1990)

Wandlungen (3. Preis 11. pre-art Wettbewerb)

Jörg Peter Mittmann (1962) 

Wald der Widersprüche für Ensemble (Auftrag von musica aperta)

Emre Eröz (1995)

Amnesia (2. Preis 11. pre-art Wettbewerb)

William Blank (1957)

OPHRYS pour flûte solo et petit ensemble (Auftrag der pre-art soloists)

Orestis Papaioannou (*1993)

Prosopíon (Uraufführung der Neufassung)

Emre Sihan Kaleli (1987)

Adjacent rooms (II) for seven performers (2018/19) (Auftrag der pre-art soloists)

Preisgekrönte Stücke des 11th pre-art competition for young composers (Auswahl im September 2018; Jurypräsidium Roland Moser)

Die pre-art soloists spielen seit 2001 als flexibles 4 bis 7- köpfiges Spezial-Ensemble für Zeitgenössisches in zahlreichen Festivals im In- und Ausland (u.a. Biennale Zagreb, Sonemus-Fest Sarajevo, Culturscapes Basel, Tage für Neue Musik Zürich) und wurde 2016 mit dem „Werkjahr Interpretation“ der Stadt Zürich ausgezeichnet. In den letzten Jahren erhielt das Repertoire des einzigartig zusammengesetzten Solistenensembles steten Zuwachs durch die regelmässigen pre-art Competitions, die sich an junge Komponierende aus Südosteuropa richten, sowie durch Aufträge an ausgewählte KomponistInnen, wie etwa Stefan Wirth, Vinko Globokar oder Djuro Zivković.

Im Programm 2019 präsentiert das Ensemble einerseits die besten Stücke des 11. pre-art Wettbewerbes, andererseits drei Werkaufträge an Komponisten ganz verschiedenen Couleurs: wie immer bei pre-art ist ein ehemaliger Preisträger mit dabei (Emre Sihan Kaleli), den wir in seiner Laufbahn seit 2009 regelmässig begleiten, und dem wir hiermit bereits seinen dritten Auftrag erteilen konnten. Mit Jörg Peter Mittmann (Auftrag der musica aperta) und William Blank (Auftrag der pre-art soloists) berücksichtigen wir zwei Komponisten der mittleren Generation, die mit ihren eigenständigen Arbeiten seit vielen Jahren überzeugen können. Bei Jörg-Peter Mittmann aus Detmold, ist oft seine philosophische Ader spürbar, gepaart mit grosser musikalischer Kraft.

 

weiteres Konzert: Dienstag, 26. März 2019, 19:30 Uhr, Ackermannshof Basel
Abendkasse ab 18:45 Uhr, Eintritt Fr. 25,- / 15,-

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Donnerstag 31. Januar 2019, 20 Uhr
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur

Splitter - ein Mosaik in Text und Musik

Kombi A_800

mit Julia Wahren - Stimme / Performance & Egidius Streiff - Violine
und dem Ensemble Horizonte Detmold:
Milena Schuster - Violine, Maria Pache - Viola, Martina Styppa - Violoncello, Jörg-Peter Mittmann - Oboe, Helene Schütz - Harfe

Giacinto Scelsi (1905 - 1988)

Arc en ciel (1973) für Violine und Viola

Max E. Keller (1947)

Mobile (2013) für 2-5 Mitwirkende ad libitum

Claudio Monteverdi (1567-1643)

Zefiro torna (1632) arr. für Ensemble

Guillaume de Machaut ( ca. 1300-1377)

Rondeau ‘Ma fin est mon commencement’

Julia Wahren

Tonfischen (Hans Arp) für Stimme solo (2018)

Bernd A. Zimmermann (1918-1970)

Sonate für Violine solo (1951)

Jörg-Peter Mittmann (1962)

tenebrae (2005) für Oboe und Streichtrio

Kaija Saariaho (1952)

Cloud Trio (2009) (Auszüge) für Streichtrio

Claudio Monteverdi (1567-1643)

Venite, Venite! (1632) arr. für Ensemble

Malika Kishino (1971)

Lamento (2014) für Violine und Viola

Jean-Luc Darbellay (1946)

Chemins croisés (2017) für Oboe und Violine

Texte von Duchamp, Schwitters, Picabia, Arp u.a.                                

Scheinbar ungeordnet trifft Musik aus Mittelalter und Frühbarock auf avantgardistische Klänge, überlagert und kontrastiert mit Texten aus dem Umfeld von Marcel Duchamp und dem frühen Dadaismus. Aus der scheinbaren Sinnlosigkeit von Klang- und Wortfolgen schält sich allmählich ein Beziehungsgeflecht heraus, das Grundkonstanten unseres musikalischen und logischen Verstehens greifbar macht und den Bogen spannt über Musik verschiedenster Stilrichtungen und Epochen.

In Mobile von Max E. Keller spielt jedes Instrument in freier Reihenfolge die ihm zusagenden, sehr unterschiedlichen Elemente: von verbaler Anregung bis zu auskomponierten Passagen. Die gesellschaftliche Kehrseite solch freier Wahl aus Vielgestaltigem ist Beliebigkeit und Nivellierung bis zur Orientierungslosigkeit - wie im Internet. Die sehr heterogenen Texte spiegeln dies.
Die Sonate für Violine solo ist eines der ersten Meisterwerke von Zimmermann; teils zwölftönig, teils in archaische Formen (Präludium, Rhapsodie, Toccata) erdacht, gelingt Zimmermann ein virtuos beseeltes Geigenstück. Noch enthält er sich den experimentellen Elementen der Sonate für Cello solo, doch die eigene, immer leicht ironisch sprunghafte Sprache ist schon gut hörbar.
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spielt im Komponieren von Jörg-Peter Mittmann eine große Rolle. In tenebrae sind es die Schatten des Faschismus, die schier unvorstellbaren Kluft zwischen klassisch-romantischer Hochkultur und der Barbarei des Rassenwahns. Ein deformiertes Motiv von Brahms kreist ausweglos in sich, während die Oboe auszubrechen versucht.
Die in Deutschland lebende japanische Komponistin Malika Kishino schrieb Lamento zum Gedenken an die Opfer des großen Erdbebens und Tsunamis von 2011. Die Symbiose von Mensch und Natur stellt sich in Japan als eine Herausforderung ganz eigener Art dar. Sie bewegt sich im Spannungsfeld einer überaus malerischen Landschaft und zugleich der Präsenz extremer Naturgewalten.
In Jean-Luc Darbellays Werke kreuzen sich die "Wege" der beiden so ungleich klingenden Instrumente permanent. In sechs, zum Teil sehr kurzen Sequenzen, ergänzen sich innigste Verschränkungen und expressive solistische Passagen. So verbinden sich die gleichzeitig divergierenden und konvergierenden Eigenschaften der Instrumente zu einem charakteristischen Klangfarbenspiel.

Das Ensemble Horizonte, gegründet 1990, hat sich vor allem durch zahlreiche Uraufführungen, CD-Einspielungen, innovative Programmkonzepte und interdisziplinäre Programme einen Namen gemacht. Das Programm "Splitter" wurde für eine USA-Tournee im Dezember 2017 gemeinsam mit der Münchener Performance-Künstlerin Julia Wahren entwickelt und ist auch in Bonn, München und Hamburg präsentiert worden.

weitere Konzerte: Mittwoch 30.01.2019, 20 Uhr im “Safe” , unternehmen mitte, Gerbergasse 30, Basel
 Freitag 1.2.2019, 20 Uhr, Französische Kirche le Cap Bern

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 Absolut Trio 27.09.18 Video zu diesem Konzert auf YouTube

Donnerstag 27. September 2018, 20 Uhr
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 

Présence - die Kugelgestalt der Zeit

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Das Absolut Trio spielt B.A. Zimmermann
Bettina Boller
- Violine,  Judith Gerster - Violoncello, Stefka Perifanova - Klavier

Bernd Alois Zimmermann (1918-1970)

Sonate für Geige und Klavier (1949)

 

Vier kurze Studien für Cello solo (1970)

 

Présence - Ballet blanc für Violine, Violoncello und Klavier

1ère scène

– introduction et pas d’action (Don Quichote)

2ième scène

– pas de deux (Don Quichote et Ubu)

3ième scène

– Solo (pas d’Ubu)

4ième scène

– pas de deux (Molly Bloom et Don Quichote)

5ième scène

– pas d’action et finale (Molly Bloom)

Bernd Alois Zimmermanns Geburtstag jährt sich 2018 zum hundertsten Mal. Seine Werke finden erneut Anklang über die sensationellen Skandale anlässlich ihrer Uraufführung hinaus. "Zeit" beschäftigte Zimmermann in seinem ganzen Schaffen, sei es ganz direkt in Bezug auf die eigene Biografie (mit Jahrgang 1918 war ihm «Gnade der späten Geburt» nicht vergönnt; er wurde in die Wehrmacht eingezogen), aber auch in philosophischer und künstlerischer Hinsicht: In unserer Wahrnehmung sind alle Gedanken gleichzeitig – im Jetzt! Das Absolut Trio sucht eine Annäherung an dieses Jetzt mit  dem grossartigen Klaviertrio "Présence"  (Die Einspielung ist beim Label Guild zu finden). Dazu erklingt die frühe Geigensonate mit südamerikanischen Elementen, sowie die späten Vorstudien zur grossen Cellosonate. Egidius Streiff liest aus Texten des (freiwillig und viel zu früh aus dem Leben geschiedenen!) Bernd Alois Zimmermann, die auch heute nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben.
Zwei Fragen haben B. A. Zimmermann immer wieder beschäftigt: Wie kann man "Zeit" kompositorisch erfassen und wie Musik mit Literatur, Tanz, Hörspiel, Film verbinden? In „Présence“ werden diese beiden Aspekte miteinander verknüpft: Was hier zur „Präsenz“ gelangt, sind unterschiedlichste Formen des Zeiterlebens (metrisch Strenges steht neben frei Strömendem), und Zimmermanns musikalische Gegenwart steht neben Zitaten aus Werken von R. Strauss, S. Prokofjew und K. Stockhausen oder Anspielungen auf vergangene Epochen wie etwa Walzer und Blues. Andererseits tritt die Musik auf vielfältige Weise in Kontakt mit Tanz, Szene und Literatur: In den 5 musikalisch-choreographischen Szenen begegnet man drei literarischen Gestalten, drei Grundtypen menschlichen Verhaltens: Miguel de Cervantes‘ tragikomischer Ritter Don Quichote trifft als weltfremder Idealist auf Roi Ubu, den grotesk-bösartigen Gewaltherrscher aus den Dramen Alfred Jarrys, sowie auf Molly Bloom, der archetypischen Verkörperung sinnlich-erotischer Weiblichkeit aus James Joyces Ulysses. Dazu präsentiert ein paradoxerweise stummer Speaker Schrifttafeln mit rätselhaft-poetischen Versen aus Gedichten von Paul Pörtner. In karnevalesker Weise treffen also klangliche, szenische und literarische Zeichen aufeinander, die auf buntscheckigste Zusammenhänge verweisen: „Présence“ als klanglich-choreographisches Spiel, das an die Phantasie des Publikums appelliert.

Für das Absolut Trio spielt die künstlerische Auseinandersetzung mit der eigenen Zeit eine grosse Rolle, weshalb es in regelmässigen Abständen Kompositionsaufträge vergibt. Dreizehn gewichtige Werke für Klaviertrio (teils mit Live-Elektronik) sind so entstanden und werden in beziehungsreiche Programmkonzepte integriert, ebenso wie Trouvaillen und Raritäten. Das Trio war zu hören u.a. im Art Center in Seoul, in der Wigmore-Hall in London, im Münchner Gasteig, der Zürcher Tonhalle, dem WDR Köln und am ppIANISSIMO-Festival in Sofia. Die erste CD des Absolut Trio mit Werken von A. Schoenberg, R. Kelterborn und B.A. Zimmermann, 2007 noch mit der Cellistin Imke Frank beim Label Guild herausgekommen, wurde von der Fachpresse in den höchsten Tönen gelobt und erhielt einen Supersonic Award. 2018 wurde das Trio mit dem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet.                 http://www.absoluttrio.ch

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Samstag, 27.Oktober 2018, 20 Uhr
Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur

50 Jahre 1968 - Ensemble Aventure Freiburg i.Br.

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Natascha Maric - Flöte, Andrea Nagy - Klarinette, Wolfgang Rüdiger - Fagott, Akiko Okabe - Klavier,
Friedemann Treiber - Violine, Sylvie Altenburger - Viola, Beverley Ellis - Violoncello, Johannes Nied - Kontrabass,
Nicholas Reed - Dirigent (bei Krüger)

Matthias S. Krüger (1980)

des traces lumineuses (2015) trois mouvements (attacca) pour fagott, trio à cordes, contrebasse et piano

Hans Eugen Frischknecht (1939)

Komposition für Violine und Klavier (1968)

Ulrike Mayer-Spohn (1980)

fEA (2018) für Ensemble, UA Auftrag Ensemble Aventure

Leonardo Idrobo (1977)

macchina (2015/16) für Ensemble

Martin Jaggi (1978)

Skelett (2010/14) 3 Totentänze für Klarinette/Bkl., Violoncello und Klavier

Max E. Keller (1947)

1968 - Das Verkrustete aufbrechen (2018) für 8 Instrumente, UA Auftrag Ensemble Aventure

Das Programm feiert die Nachwirkungen von “1968” – nicht nostalgisch, sondern es fragt, welche Aktualität das Umbruchs- und Aufbruchsjahr nach fünfzig Jahren in der neuen Musik besitzt. Die Echos dieser heißen Zeit des Aufstands gegen falsche Autoritäten, Unterdrückung, Verdrängung, gegen alles Starre und Versteinerte, für eine neue reflektierte Freiheit hallen wider im zeitgenössischen Komponieren, das kritisch wird und offen wie unser Denken, Fühlen, Handeln, das es spiegelt und beeinflusst
Auf dem Programm stehen Werke von KomponistInnen, die eine im weitesten Sinne politische Haltung vertreten und ihre Rolle als Künstler in unserer Gesellschaft reflektieren.
Matthias S. Krüger legt Leuchtspuren der Verflechtung von Einzelnem und gesellschaftlichem Ganzen: Das Fagott ist die zentrale Spur – zu Beginn sehr gezackt, dann sich nach oben wölbend und zum Ende hin nach unten biegend – die in den verschiedenen Besetzungen harmonisch und texturell auf unterschiedlichste Weise beleuchtet, ja ausgeleuchtet wird.
In Hans Eugen Frischknechts Komposition für Violine, entstanden 1968, spiegelt sich der damalige Geist der Emanzipation in der rhythmischen Freiheit des Interpreten und in der Beschränkung auf wenig Material.
Ulrike Mayer-Spohn greift als Nachgeborene die Veränderungen der Zeit in ihrem neuen Aventure-Stück fEA in Form entschleunigter Klangverwandlungen auf, Veränderung und Verbesserung in behutsamer und leiser Art statt als Bruch.
Der junge kolumbianisch-schweizerische Komponist Leonardo Idrobo setzt einen kritischen Impuls im Gefolge von 68: In «macchina» wird eine Maschine in Gang gesetzt, in welche ein Mangel – ein Fehler eingebaut worden ist. Abläufe scheinen alle nicht zu Ende gehen zu können (dürfen). Im Alltag nur allzu bekannt: Geräte werden oft mit einem Verfallsdatum hergestellt, sodass sie alle paar Jahre durch brandneue ersetzt werden müssen.
Der Titel von Martin Jaggis Werk steht stellvertretend für den ganzen Wortstamm, der auf das altgriechische Khorde zurückgeht, welches «Saite» bedeutet. Die drei Stücke beruhen auf drei altertümlichen Streichinstrumenten. Fast zitathaft verwendet Jaggi im ersten Stück für die Solobratsche melodische Floskeln kasachischer Musik, denn es erinnert an die Kobys, das wahrscheinlich älteste Streichinstrument (8.Jh. n. Chr.) überhaupt, das aus dem kasachischen Kulturraum stammt. Von Zentralasien aus traten die Streichinstrumente eine weite Reise über die Mongolei, Indien und den arabischen Raum an, bis sie erst spät im Mittelalter in Europa eintrafen.
Max E. Keller lässt als Vertreter der 68er-Generation aus aktualisierender Erinnerung das Verkrustete aufbrechen: In 5 Anläufen, aber ohne das bequem Mittel von Rezitation einschlägiger Texte, wird je eine rigide Anfangsstruktur allmählich aufgebrochen, zerfällt und durch frei kommunizierende, lockere Gebilde abgelöst. Im vierten Teil mündet das Stück buchstäblich in den Alltag, indem die MusikerInnen statt ihrer Instrumente schlichte Kartonschachteln bearbeiten, der fünfte Teil endet in einer kurzen Kollektivimprovisation - der Schluss des Werkes.

weitere Konzerte: 26.Okt. Freiburg i.Br.;  1. März 19 Le Cap, Bern;  9. Juni Forum Wallis Leuk

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Zu diesem Konzert gibt es ein Video mit kurzen Auschnitten

Donnerstag 12. April 2018, 20 Uhr
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 

unabhängig  beharrlich  expressiv

2018-04-12 musica aperta_800

Evgeniya Spalinger - Flöte, Marisa Minder - Gitarre, Grigory Maximenko - Viola

Scott Lindroth (1958)

YTTE (2008) for flute, alto and guitar

Felix Ibarrondo (1943)

ITZAK (1997) für Flöte, Bratsche und Gitarre

Anastasia Vedyakova (1991)

Affection Saga für Flöte und Gitarre, Uraufführung des Kompositionsauftrages von musica aperta

Nico Richter (1915-1945)

Trio (1935)

Ludwig van Beethoven (1770 1827)

Serenade op.8, (1795-97) (Bearbeitung für Flöte, Viola und Gitarre von W. Mateigka (1773-1830)

Die drei jungen MusikerInnen präsentieren ein sehr eigenständiges Programm mit zeitgenössischen Komponisten aus unterschiedlichen Weltgegenden und Generationen, die bei uns aber weniger bekannt sind. Alle gingen ihre eigenen Wege, teils freiwillig, teils aus innerem oder äusserem Zwang, und alle ver-bindet die Fähigkeit zu expressiver Musik. Der Amerikaner Scott Lindroth, aufgewachsen mit Jazz, experimentierte zunächst mit Zahlenmustern und integrierte später vertrautere Mittel wie Harmonie und Tonalität in seine Schaffen, auch wenn dies nicht dem Zeitgeist entsprach. In YTTE (yield to total elation: Hingabe an Euphorie) kommt seine Sprache in der Klangmischung besonders schön zur Geltung. Der Begriff YTTE geht auf den Zeichner Archilles Rizzoli zurück, der mit Akribie viele fantastisch anmutende Zeichnungen anfertigte. Der Baske Felix Ibarrondo war Schüler von Max Deutsch, seinerseits Schüler Schönbergs. Seit 1969 lebt er in Paris. Sein Unabhängigkeitsstreben und sein scharfer Verstand fliessen in seine Musik ein. Der Gegensatz zwischen strenger Struktur und starker Expression zeitigt in Itzak ("Worte") eine grosse Ausdrucksvielfalt. Die junge Moskauerin Anastasia Vedyakova (1991), auch als Geigerin erfolgreich, hat im Auftrag von musica aperta Affection Saga komponiert, deren 10 Sätze auf zehn Affekten beruht, z.B. Frage, Antwort, Zweifel. Die Idee ist eine Reise in die Welt des Unterbewussten, die weder einen Anfang noch ein Ende hat, und in der Ewigkeit und Augenblick nicht zu trennen sind. Nico Richter, jüdischer Abstammung, lebte in den Niederlanden. Trotz Heirat mit einer Nichtjüdin konnte er sich der Verfolgung durch die Nazis nicht entziehen und wurde schliesslich als Mitglied einer Widerstandsgruppe verhaftet. Er überlebte zwar Auschwitz und Dachau, war aber gesundheitlich so stark angeschlagen, dass er nach der Befreiung 1945 nur noch wenige Monate lebte. Sein komprimierter und expressiver Stil enthält keine überflüssigen Noten und erinnert in seiner freien Tonalität an Anton Webern und Alban Berg.

Im Unterschied zu den modernen Werken würde man die Serenade op. 8 von Ludwig van Beethoven aus heutiger Sicht als „kommerzielle“ Musik bezeichnen. Beethoven komponierte sie in Wien zu einer Zeit, als er im Begriff war, seine Karriere als Pianist und Komponist auszubauen. Im Stil orientiert sie sich zwar noch stark an Haydn und Mozart, lässt aber an vielen Stellen den späteren Beethoven bereits aufblitzen. Der grosse Einfallsreichtum und die überaus schönen Melodien haben Zeitgenossen animiert, das Werk für andere Besetzungen umzuschreiben.

Evgeniya Spalinger (1990, Moskau) begann mit 6 Jahren Flöte zu spielen, mit 9 Jahren als Hochbegabte ans Tschaikowski Konservatorium. 2007, Grand Prix beim „Mozart Wunderkind“ Wettbewerb in Wien. Internationale Auftritte bereits während des Studiums. Seit 2009 in Basel, Studium bei Felix Renggli.
Gigory Maximenko (1988, St. Petersburg) begann mit 9 Jahren Geige zu studieren. Abschluss 2012 mit höchsten Auszeichnungen. Z.Z. studiert er für den Master in Performance in Bern. Erfahrungen in Sinfonieorchestern Basel, Luzern und Bern. Seit 2008 im Gustav Mahler Jugendorchester. Seit 2015 Stimmführer Liechtensteinisches Sinfonieorchester.
Marisa Minder (1987, Windisch) mit 7 Jahren Gitarrenunterricht. Mit 17 Jahren Académie Tibor Varga Sion. 2008 Royal Conservatoire Den Haag, 2010 Master. 2016 Solistendiplom in Basel. Gewinnerin und Finalistin von verschiedenen Wettbewerben, so 2007 Anna-Amalia Wettbewerb für junge Gitarristen Weimar und 2011 Forum Gitarre Wien.

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